26. April 2020

Dreh mit dem Smartphone

Vorbereitung für den Dreh

Am wichtigsten ist sich vorher Gedanken zu machen welche Aussagen und Informationen transportiert werden sollen. Ein kurzer Fragenkatalog ist hierbei sehr hilfreich. Zum einen weiß man noch vor dem Dreh ob durch die Fragen alle Informationen aufgefasst werden können und die Person, die interviewt werden soll, kann sich ggf. auf umfangreichere oder spezielle Fragen vorbereiten. Weiterhin sollte sich vorher über den/die Drehort/e Gedanken gemacht werden. Welches Büro kann für den Drehzeitraum genutzt werden, welches ist belegt. Ein legeres Outfit für den Dreh ist ebenfalls nicht unwichtig. Hier sollte auf auffällige Muster oder Prints verzichtet werden.

Technik

  • Ansteckmikrofon: Da die meisten internen Smartphone Mikrofone nicht die beste Qualität versprechen ist ein externes Mikrofon unerlässlich. Hierbei ist es gut das Mikrofon so nah wie möglich am Mund zu platzieren. Am besten eignet sich hierfür ein Hemd-Kragen oder der Hals des T-Shirts. Vergewissert euch, dass das Mikrofon nicht am Hemd raschelt und frei liegt. Je nachdem wie weit das Smartphone vom Interviewpartner entfernt ist, kann ein Verlängerungskabel hilfreich sein. Das Kabel kann in den meisten Fällen zwischen Körper und Kleidungsstück gelegt werden.
  • Stativ: Um das Smartphone während der Aufnahme nicht die ganze Zeit in der Hand halten zu müssen ist ein Stativ sehr vorteilhaft. Zudem hat nicht jeder eine ruhige Hand. Außerdem ist es wichtig einen gleichen, statischen Bildausschnitt zu haben, um bei späteren Schnitten in der Nachbearbeitung keine zu starken Ruckler zu erzeugen.
  • Powerbank/Aufladekabel: Nicht jedes Interview ist in ein paar Minuten abgedreht. Dabei ist das schlimmste was passieren kann, ein leeres Handy. Vergewissert euch also am besten einige Stunden vor Drehbeginn wie voll euer Smartphone ist.
  • Softboxen: Nicht immer reicht das vorhandene Licht aus um ein schönes, weiches Licht zu bekommen. In diesem Fall kann eine Softbox sehr hilfreich sein. Sie gibt, wie ihr Name schon sagt, ein weiches Licht ab, dass das Gesicht aufhellen kann. Tischlampen oder Strahler haben in den meisten Fällen keine Möglichkeit das Licht weicher zu machen und erzeugen somit unschöne Schatten im Gesicht.

Welche Aufnahmen sind wichtig?

  • Totale (Hier wird der Ort und die Szenerie gezeigt. Wo befinden wir uns?) Das kann das Büro des Mitarbeiters, die Cafeteria oder der offene Arbeitsbereich sein.
  • Halbnahe (Interviewer) Hier ist der passende Bildausschnitt wichtig. Die Person sollte entweder zentriert sitzen oder leicht eingedreht im linken oder rechten Bildbereich. Falls geplant ist Infografiken oder Text im Nachhinein einzubauen macht die 2. Variante am meisten Sinn.
  • Closeup (Details eines Produkts/Gegenstands zeigen) Diese Aufnahmen sind u.a. für das Füllmaterial (B-Roll) wichtig. Wird z.B. über die Arbeit am PC gesprochen kann hier eine tippende Hand auf der Tastatur oder der Griff nach dem Telefon gezeigt werden.
  • B-Roll: Um das gesprochene aus dem Interview mit den passenden Szenen zu untermalen ist es wichtig das richtige Zusatzmaterial zu filmen. Wird zum Beispiel von der Arbeit mit netten Kollegen gesprochen ist es gut ein Meeting durch unterschiedliche Aufnahmen einzufangen. Dabei ist es wichtig das richtige Gefühl für die Menge der Aufnahmen zu finden. Der Gang zum Büro über den Eingangsbereich kann interessant sein. Emails schreiben ist wiederum eher langweilig.

Dreh-Setup / Der letzte Check

  • Ruhige Umgebung: Die beste Umgebung ist ein geschlossener, weiter Raum der nicht an stark genutzten Ein/Ausgängen liegt. Auch Kühlschränke, Festnetztelefone und elektrische Jalousien sollten vermieden oder ausgeschaltet werden. Das eigene Smartphone auf Flugmodus zu stellen versteht sich von selbst. 😉
  • Kein Gegenlicht: Soweit möglich sollte die Person nicht zu nah an einer Fensterfront sitzen. Andernfalls wird durch die automatische Anpassung des Smartphones die Person zu dunkel dargestellt, da das Smartphone alle Lichtquellen des Bildausschnittes mit einberechnet. Soweit möglich sollten vorhandene Jalousien geschlossen werden auch um Lichtveränderungen über einen längeren Zeitraum zu vermeiden.

Der passende Raum ist gefunden, alle störenden Geräusche sind abgestellt und alle sind bereit für die erste Aufnahme. Alle Augen liegen jetzt auf dem richtigen Bildausschnitt und dem Interviewpartner. Da jeder etwas aufgeregt vor der Kamera ist sollte vorher einmal das Gesicht und die Stirn von möglichen Schweißperlen bereinigt werden. Ein letzter Ton Check durch eine Testaufnahme und der Blick auf den internen Speicher des Handys ist immer Gold wert.

Der Dreh

Die beste Variante bei der Aufnahme von einem Interview ist das „laufen lassen“. Es macht in den meisten Fällen mehr Sinn die Aufnahme laufen zu lassen als mehrere einzelne Takes zu machen. Stoppt man die Aufnahme nach jedem Patzer kann schnell ein ungutes Gefühl bei der zu interviewenden Person aufkommen und es vergeht unnötig Zeit beim Stoppen und Neustarten der Aufnahme. Sollte es zu einem Patzer kommen hat die Person die Möglichkeit sich wieder zu fangen und den Satz neu zu starten oder neu zu beginnen ohne das die Aufnahme unterbrochen werden muss. Trotzdem sollte vor jeder Aufnahme das Kommando „Kamera läuft!“ kommen. Somit wissen alle im Raum, dass jetzt die Aufnahme startet und es ruhig bleiben muss. Darüber hinaus sind im Optimalfall auch die gestellten Fragen in der Audiospur zu hören. Fragt auch in regelmäßigen Abständen ob die Person etwas trinken oder eine kurze Pause brauch. Solltet ihr merken, dass es an einer bestimmten Frage stocken sollte, überspringt diese und macht mit einer anderen Frage weiter um sie am Ende nachzuholen.

Drehschluss / Nachbereitung

Ihr habt alles im Kasten und habt einen erfolgreichen Dreh hinter euch. Glückwunsch! Jetzt bloß nicht zu voreilig das sogenannte „Wrap“ Bier trinken. Die kostbaren Aufnahmen auf dem Smartphone sind zwar sicher aber freuen sich immer über ein Backup Platz. Die schnellste Variante bietet hier das Übertragen via Airdrop oder Übertragungskabel per USB. Tut euch selber den Gefallen und sichert euer Material. Um das Material auch direkt zum Versand klar zu machen bietet sich hier eine Cloud Lösung an. Um einen guten Überblick über euer Material zu haben könnt ihr direkt eine passende Ordnerstruktur anlegen. Mehr darüber erfahrt ihr HIER. (Blog über Ordnersturktur)

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